03.12.2025, 16.30-18.00 Uhr
Seidenstraße 36, Raum 36.21
Forschungsethische Fragen und damit die Frage nach der Ausgestaltung der Beziehung zwischen Forschenden und Forschungssubjekten sind in den Sozialwissenschaften zunehmend Gegenstand intensiver Diskussionen. Im Feld der qualitativen Sozialforschung führen die zentralen Prinzipien Offenheit, Interpretativität, Nähe und Reflexivität zu besonderen ethischen Herausforderungen.
Der Vortrag geht der Frage nach, woran sich qualitative Soziolog*innen in ihrem ethischen Handeln orientieren. Grundlage für die Rekonstruktion der Handlungsorientierungen bilden leitfadengestützte Interviews mit qualitativ arbeitenden Soziolog*innen aus Österreich und Deutschland. Vor dem Hintergrund wissenschaftssoziologischer Arbeiten wird erläutert, wie qualitative Soziolog*innen mit zunehmend formalisierten ethischen Vorgaben umgehen, ob ethische Prinzipien wie Nicht-Schädigung und informierte Einwilligung ihr Handeln bestimmen und wie auch das produzierte Wissen selbst für Soziolog*innen zu einer ethischen Frage wird.
Insgesamt wird dadurch deutlich: Forschungsethik ist weit mehr als die Einhaltung von Formalia. Ethische Fragen durchziehen und bestimmen die epistemischen Praktiken in der qualitativen Soziologie.
Carla Scheytt ist seit Oktober 2025 akademische Mitarbeiterin der Abteilung für Soziologie mit Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden. An der Universität Innsbruck promovierte sie zum Thema „Forschungsethik in der qualitativen Sozialforschung“ im Arbeitsbereich Mesosoziologie.