- Link zur Preregistration
Laufzeit:
01/2021 – 09/2024
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektleitung:
Prof. Dr. Patrick Bernhagen
Projektmitarbeiter:
Dr. Felix Goldberg
Dr. Florian Spohr
Studentische Hilfskräfte:
Krispin Krüger
Elisabeth Kutterer
Carina Schuster
Phillip Witte
Im europäischen Mehrebenensystem müssen Interessengruppen ihre Lobbytätigkeiten über verschiedene Regierungsebenen hinweg koordinieren Während die Forschung zu Mehrebenen-Lobbying bezüglich der nationalen und supranationalen Ebene bereits recht gut entwickelt ist, wird die subnationale Ebene der Politikgestaltung in der Literatur zur Interessengruppenpolitik jedoch häufig übersehen. Insbesondere blieb unerforscht, wie und unter welchen Umständen sich organisierte Interessen auf mehreren Regierungsebenen engagieren, von einer Ebene zur anderen wechseln oder sich auf eine bestimmte Ebene festlegen.
In diesem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns daher mit der Frage, wie organisierte Interessen ihre politischen Aktivitäten über verschiedene Ebenen im Mehrebenensystem der EU koordinieren. Wir definieren Interessengruppen als kollektive Akteure, die ihre Interessen gegenüber dem politischen System kommunizieren, ohne öffentliche Ämter anzustreben oder bei Wahlen anzutreten. Mit dem Fokus auf gesetzgeberisches Lobbying beziehen wir sowohl wirtschaftliche Interessengruppen und Verbände, die diffuse Interessen vertreten, als auch Institutionen und Firmen in die Analyse ein. Das Projekt trägt so tiefere Erkenntnisse zu drei großen Forschungsrichtungen bei: (1) der Forschung zu subnationalem Lobbying und Lobbying in föderalen Systemen, (2) der Literatur zu Lobbying im europäischen Mehrebenensystem und (3) der Forschung zu Venue Choice. Hierbei fokussieren wir uns auf deutsche Interessengruppen.
In Anlehnung an Greenwood (2017) identifizieren wir vier konzeptionell verschiedene „Routen“, die Interessengruppen nutzen können, um nationale Gesetzgebung zu beeinflussen (siehe Abbildung). Die National Route umfasst das direkte Lobbying von Bundesministerien und Bundestag. Darüber hinaus argumentieren wir, dass Interessengruppen drei verschiedene Routen auf anderen Regierungsebenen beschreiten können, um die nationale Exekutive und das nationale Parlament zu umgehen: Die Brussels Route führt über die EU-Institutionen wie die Europäische Kommission und das Europäische Parlament, welche nationale Gesetzgebung zunehmend beeinflussen. Die Domestic Subnational Route verläuft über die Institutionen der Bundesländer, in denen die Landesregierung ihre Positionen zur Bundesgesetzgebung abstimmen. Schließlich umfasst die Subnational Brussels Route Arenen der Koordination zwischen regionalen Akteuren und EU-Institutionen.
Auf Basis von Umfragedaten zu 23 ausgewählten Gesetzen haben wir im Rahmen dieses Forschungsprojektes bislang zwei Fachartikel veröffentlicht.
- Spohr, F.; Bernhagen, P.; Krüger, K.; Goldberg, F. 2025: Lobbying on Multiple Routes to Influence National Legislation: German Federalism and the European Union. Regional & Federal Studies. [Link zur Veröffentlichung]
- Spohr, F.; Bernhagen, P.; Krüger, K.; Subnational Lobbying on National Policymaking. Evidence from Germany. Governance 38 (2), [Link zur Veröffentlichung].
Weiterführende Informationen:
- Bericht im „Regional and Federal Studies Blog“: https://www.centreonconstitutionalchange.ac.uk/blog/2026/how-interest-groups-lobby-multiple-levels-influence-national-laws-germany
- Datenbericht
- Link zur Preregistration: https://osf.io/e4532
- DFG-Nachfolgeprojekt „Interessengruppenpopulationen, Zugang und Verzerrungen im Mehrebenen-Lobbying („PABIM“): https://www.sowi.uni-stuttgart.de/abteilungen/ps/forschung/pabim/
KOntakt:
Florian Spohr
Dr.Akademischer Mitarbeiter